Und was gibts für Arbeitslose

Es gibt hier 4 Millionen offiziell registrierte Erwerbslose: Menschen ohne bezahlte Lohnarbeit, hinzu kommen gut eine Million KollegInnen in AB-Maßnahmen. Es gibt die Stille Reserve des Arbeitsmarktes von weiteren Millionen. Milliardenbeträge gehen den Sozialkassen jährlich durch Schwarzarbeit verloren. 1,8 Milliarden bezahlte überstunden werden jedes Jahr freiwillig gemacht oder erzwungen - und es kommen noch einmal soviele unbezahlte überstunden hinzu! Diese Situation ist eine Bankrott-Erklärung der herrschenden Politik. Die Unternehmen haben sich allein um ihre Aktienkurse gekümmert.

So wurde beispielsweise im Bildungsbereich immer brutaler gespart. Niemand hat daran gedacht, Jugendliche auszubilden! Anstatt dessen haben sich die Unternehmen massiv gegen überbetriebliche Ausbildungszentren oder die Finanzierung durch eine Ausbildungsplatzabgabe gewehrt.

Bei einer Arbeitslosenquote von 10 Prozent entläßt das Arbeitsamt MitarbeiterInnen und baut Stellen ab. Maßnahmen zur Höherqualifizierung von Arbeitslosen werden nicht bezahlt. Hinzu kommt die Dequalifizierung des Erwerbslosen: alle 3 Monate ist er zur Annahme einer schlechterbezahlten Arbeit verpflichtet. Die Kürzung der Arbeitslosenhilfe jährlich um 3% wollen wir gar nicht erst erwähnen ...

Auch ältere Arbeitslose werden zu gesellschaftlichem Schrott erklärt. Mit Anfang 40 kommt man sich bereits als schwer vermittelbar vor, weil einem seitens der ArbeitgeberInnen die Leistungsfähigkeit und die 'modernen' Umgangs- und Ausbeutungsformen in den Firmen nicht mehr zugetraut werden: Man solle heutzutage nämlich "flexibel, stressresistent, team- und erfolgsorientiert" sein. Die Perspektive von Langzeitarbeitslosen ist die Rente mit 45 Jahren oder Arbeitszwang als Voraussetzung für den Bezug von Lohnersatzleistungen. Wer seine Lebensberechtigungs-Leistung an Arbeitsschuld nicht mehr erbringen kann, weil ihn oder sie die KapitalistInnen nicht mehr brauchen, ist eben einE VersagerIn. Oder die Vorstellungen von einer angemessenen Bezahlung der Tätigkeit klaffen auseinander...

Die Regierung denkt nun laut über ein "garantiertes Mindesteinkommen" von netto 1.400 DM für "arme" RentnerInnen nach. Von ArbeiterInnen verlangen sie allerdings, daß sie für diese miese Kohle vollzeit-flexibilisiert arbeiten.

Und die Lösung des Problems? Wenn uns dieser Staat mit seinen Arbeitsämtern und Sozialbehörden nicht ausbilden und weiterqualifizieren will, dann soll er uns so viel Geld zum Leben geben, daß wir als Nicht-ArbeiterInnen ein angenehmes und würdiges Leben führen können. Da die Herrschenden das aber nicht zulassen und uns stattdessen in erniedrigende Schikane - und alberne Beschäftigungs-Maßnahmen - stecken, müssen wir uns eben wehren!

Nur wenn wir uns solidarisch zusammenschließen und gemeinsam für eine andere, eine freie Gesellschaft kämpfen, können wir erreichen, daß die da oben nicht ewig Kohle scheffeln und nagelneue DaimlerChrylser fahren. Sorgen wir für ihren ersten echten Elch-Test: sie werden nicht bloß umkippen ... sie werden aus der Bahn fliegen!

fm, 45jähriger erwerbsloser Büro-Arbeiter